Die verschiedenen inneren Anteile
Die meisten Liebesbeziehungen beginnen in einer Wolke aus Phantasien, Träumen, Idealen und Schatten. Leider verlieben wir uns häufig in ein inneres Idealbild und sind nicht in der Lage, die eigentliche Person zu sehen, geschweige denn zu lieben. Wenn sich dann die ersten Eigenheiten zeigen, die nicht zu Deinem Idealbild passen, wirst Du das Gefühl der Verbundenheit mit dieser Person verlieren, weil Du Dich nicht in sie, sondern in Deine Vorstellung von ihr verliebt hast. In ein auf den anderen projiziertes Idealbild. Es ist so, als ob eine dritte Person zwischen Euch beiden stünde. „Du bist nicht derjenige, in den ich mich verliebt habe“, stellen wir dann irgendwann fest, und trennen uns vielleicht. Doch genau an diesem Punkt wird wirkliche Begegnung und Liebe erst möglich!
Warum hat dieses ewige Spiel, diese Faszination zwischen Mann und Frau so eine Macht über uns?
C. G. Jung spricht von Animus- und Anima-Projektionen. Er meint damit, dass wir versuchen, im anderen Geschlecht eine Seite in unser Leben zu holen, die letztlich ein nicht gelebter Teil von uns selbst ist. Die Sehnsucht nach dem idealen Partner, der Fiktion bleiben muss, ist letztlich die tiefe Sehnsucht, unsere inneren weiblichen Anteile (als Mann) oder unsere inneren männlichen Anteile (als Frau) zu entdecken, zu spüren und zu leben. Doch noch weitere "innere Figuren" beeinflussen unsere Fähigkeit zu lieben. Alle Enttäuschungen, Kränkungen und Verletzungen, die wir von Personen des anderen Geschlechts erfahren haben (allen voran vom gegengeschlechtliche Elternteil), sammeln sich im "negativen Mann" oder der "negativen Frau" in uns. Auch sie sind unbewusste Anteile, die unsere Wahrnehmung beeinflussen und unsere Beziehungsfähigkeit einschränken. Schließlich beeinflusst die Sicht des eigenen Geschlechts, kristallisiert am "positiven Mann" und am "negativen Mann" bei den Männern und den entsprechenden weiblichen Gestalten bei den Frauen, unsere Fähigkeit zur Liebe.
